Aus dem Leben eines freien Journalisten
Samstagnacht, 23.20Uhr. Der Melder geht auf. Kurze Recherche, ein paar schnelle Telefonate. Messerstecherei in Hennef. Mehrere Verletzte, teilweise schwer. Kameraausrüstung ins Auto. 23 Kilometer. Die Zeit läuft gegen mich. Mit einer Hand das Navi programmieren, obwohl man den Weg kennt, mit der anderen die Speicherkarte in die EOS schieben. Blitz funktioniert. Jetzt noch das 2,8er drauf, ist bestimmt recht dunkel. 12 Minuten panischer Angst vor ProViDa Wagen auf der Autobahn später, Eintreffen am Hennefer Bahnhof.
Es ist Stadtfest. Zum Stadtfest kommt einfach alles aus seinem Loch an den Autoscooter gekrochen.
Die Feuerwehr leuchtet schon aus, die Polizei hat großzügig mit Flatterband abgesperrt. Die Herren der Spurensicherung sind schon vor Ort. Weiße Overalls, Flatterband, Polizeihunde, Blutlache, das verkauft sich. Ich halte drauf.
Plötzlich von rechts: „Eh! Was passiert?“ Umdrehend frage ich mich, wer mich nun von der Arbeit abhalten will, bin aber doch neugierig, wer mir diese dumme Frage mit dem Unterton und der Ausdrucksweise eines Kleingeistes stellt. „Ich habe keine Ahnung“ antworte ich halb wahrheitsgemäß. „Aber Du machst Fotos, musst wissen was da geht Alter!“ tönt es aus dem sechzehnjährigen Spross in Baggyhosen, , Lederjacke und weißen Slippern. Warum er schief unter seiner Van Dutch Mütze steht, erkläre ich mir einfach durch seine nicht vorhandene oder völlig verquerte Selbstwahrnehmung. „Der Pressesprecher der Polizei wird erst in ein paar Minuten eintreffen, vorher kann ich auch nichts sagen und sehe nur was Du siehst (In Gedanken: plus einen hässlichen dummen Vogel)“. Seine Antwort kam schnell und so Messerscharf, dass ich keine Worte fand und den Einsatz an dieser Stelle abbrach: „Pressesprecher Polizei? Wie? Hält der dann hier so Rede zu alle?“
In diesem Sinne: extremrealist
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